Seelsorge im Krankenhaus

Evang. Klinikseelsorge am Klinikum Sindelfingen

 Kranke Menschen müssen auch im Krankenhaus auf Seelsorge nicht verzichten.
Dafür gibt es die Seelsorge im Klinikum Sindelfingen.

Die Betreuung leistet bis Ende September 2020
(--> siehe nachstehenden Artikel  "Wechsel im ev. Krankenhaus-Pfarramt)

Pfrin. Ursula Schmitz-Böhmig

Tel. 07071 - 54 99 811  oder 07031-98-0  (Pforte KH Sindelfingen)
e-mail: ursula.schmitz-boehmigdontospamme@gowaway.elkw.de
Frau Pfarrerin Schmitz-Böhmig ist auch über die Pforte des Krankenhauses erreichbar (07031 / 98-0)  Weitere Informationen  unter "www.kirchebb.de


Pfarrerin Ursula Schmitz-Böhmig schreibt:

"Wer ins Krankenhaus kommt, hofft auf Heilung oder Linderung.

Man sucht dort die Hilfe der Medizin und Menschen, denen man sich mit seinem kranken Leib anvertrauen kann.

In Zeiten der Krankheit sind wir aber nie nur körperlich betroffen. Auch unsere Seele – der innere Mensch – braucht Zuwendung und Stärkung. Dafür ist die Klinikseelsorge da. Vielleicht sind die Tage, die vor einem liegen, mit Angst belastet. Vielleicht tauchen Fragen auf, für die man sonst keine Zeit hat. Im Krankenhaus hat man viel Zeit! Vielleicht bedrängen Sorgen um Angehörige, um Freunde oder um die Arbeit, die man unerwartet zurücklassen musste...

Ich nehme mir Zeit für Sie, wenn Sie das möchten – ganz unabhängig davon, ob Sie nun zum engeren oder eher zum äußeren Rand der Kirche gehören oder vielleicht auch ganz weit von allem Glauben entfernt sind.

Ich bin dafür da, mit Ihnen oder Ihren Angehörigen zu sprechen, Schweres mit auszuhalten, manchmal auch einfach nur bei Ihnen zu sein und zu schweigen..

Worte helfen ja manchmal – aber nicht immer. Ein Gebet oder ein Liedvers tun manchmal gut. Ein Abendmahl kann entlasten und den Rücken stärken für das nächste Stück auf dem Weg. Ein Segen spricht Kraft zu, die wir nicht aus uns selbst haben. Dass Gott es gut mit einem meint, glaubt sich in schwieriger Zeit manchmal leichter zu zweit als allein...

Scheuen Sie sich nicht, dieses Angebot ganz ungeniert in Anspruch zu nehmen – für sich selbst oder für einen Anderen, um den Sie sich in der Klinik Sorgen machen! "

Wie erreichen Sie die Klinikseelsorge

  • Über die Schwestern, Pfleger oder Ärzte auf der Station.
  • Über die Klinikpforte unter 07031 / 98-0.
  • Unter der Telefonnummer 07071-54 99 811, wo Sie eine Nachricht
    auf dem Anrufbeantworter hinterlassen können.

 Falls ich grade nicht erreichbar bin, wird in dringenden Fällen meine Vertretung informiert.     

     Gottesdienst im Krankenhaus

    Jeden Sonntag feiern wir um 9 Uhr Gottesdienst in der Klinikkapelle im Erdgeschoss.
    Wir tun das in ökumenischer Gastfreundschaft und Offenheit – es sind alle Konfessionen herzlich willkommen! Die Gottesdienste werden abwechselnd von KinikseelsorgerInnen der evang. und der kath. Kirche gestaltet und sind in ihrer Liturgie etwas verkürzt, damit sie für Kranke nicht zu lange dauern. Sie werden über das Hausradio (Kanal 1) auf die Stationen übertragen und können dort über den Kopfhörer auch vom Bett aus mit gefeiert werden. Wir freuen uns übrigens immer, wenn auch BesucherInnen von draußen diese Gottesdienste mit uns feiern!

     Die Klinikkapelle ist ein Ort der Stille und des Rückzugs und steht Tag und Nacht offen für alle, die sie brauchen.

    Gebet

    Gott – zu dir rufe ich!
    In mir ist es finster – aber bei dir ist das Licht.
    Ich bin einsam – aber du verlässt mich nicht.

    Ich bin kleinmütig – aber bei dir ist die Hilfe.
    Ich bin unruhig – aber bei dir ist der Friede.

    In mir ist die Bitterkeit – aber bei dir ist die Geduld.
    Ich verstehe deine Wege nicht – aber du weißt den Weg für mich.

    (Dietrich Bonhoeffer)

    Ich wünsche Ihnen, dass Sie immer wieder zu einer solchen Haltung finden,
    wie sie sich in diesem kleinen Gebet ausdrückt.

    Pfarrerin U.Schmitz-Böhmig

    Wechsel im evangelischen Krankenhaus-Pfarramt

    Pfrin. Ursula Schmitz-Böhmig / Jutta Seifert

    Ursula Schmitz-Böhmig, evangelische Klinikseelsorgerin im Krankenhaus Sindelfingen, geht Ende September in den „Ruhestand“. Aus diesem Anlass führte Andreas Hiller von der Evangelischen Betriebsseelsorge mit ihr folgendes Interview:


    „Wie bist Du zur Klinikseelsorge gekommen?

    Mein Vater war Arzt im städtischen Krankenhaus Karlsruhe, dort hatten wir eine Dienstwohnung. Darum war es ganz selbstverständlich für mich, mich im Krankenhaus zu bewegen. Und ich hatte schon früh großes Interesse daran, wie Menschen ihr Leben bewältigen. Die Geschichten und Texte der Bibel habe ich auf diese existentiellen Themen hin befragt, so kam ich dann auch zum Theologiestudium.

    Ich habe außerdem schon früh Erfahrung mit Tod und Leid gemacht. Mein Vater starb, als ich 16 Jahre alt war, und als unser zweites Kind starb, war die Krankenhausseelsorge damals für meinen Mann und mich eine große Hilfe. Leider fehlt im Gemeindepfarramt oft die Zeit für intensive Seelsorge. So haben mein Mann und ich beschlossen, die KSA (klinische Seelsorgeausbildung) zu machen und in die Krankenhausseelsorge zu gehen.

    Seit wann arbeitest Du im Krankenhaus?

    Mein Mann und ich arbeiteten seit 2003 hier in Sindelfingen und haben uns die Stelle geteilt. Einen kleineren Dienstauftrag hatten wir dann zunächst zusätzlich in Dagersheim. 2009 ist mein Mann dann nach Tübingen in die Klinikseelsorge gewechselt, ich bin in Sindelfingen mit einem vollen Dienstauftrag geblieben.

    Was macht die Arbeit im Krankenhaus aus?

    Es ist vor allem die Begleitung Schwerstkranker und Sterbender sowie ihrer Angehörigen. Wir suchen gemeinsam nach Quellen der Kraft, um das auszuhalten, was wir nicht ändern können. Das ist viel Arbeit mit der Lebensgeschichte der Menschen, die Suche nach Worten für ein Gebet, Vertrauen in die alten Worte der Bibel, bewegende Sterbesegen, Gottesdienste in der Kapelle, aber auch immer wieder einfach ganz akute Krisenintervention. Motto ist für mich bei meiner Arbeit: Das Schwache stärken und das Starke behüten (Ez 34,16).

    Ich habe mich auch dafür engagiert, dass dem Abschied von Verstorbenen ein guter Raum gegeben wird für die Angehörigen, aber auch für die Mitarbeitenden. Das ist jetzt in der Coronakrise nochmal eine besonders große Herausforderung!

    Wichtig war mir auch immer, Ärzte und Pflegende zu unterstützen, wir arbeiten ja oft eng zusammen. Ein Anliegen war für mich da der Aufbau eines Klinischen Ethikkomitees. Dort bearbeiten wir Konflikte zwischen dem medizinisch Machbaren und dem, was für den einzelnen Patienten sinnvoll ist. Es ist beeindruckend, wie viele sich im Krankenhaus für Mitmenschlichkeit engagieren!

    Die Begleitung der Mitarbeitenden in der Klinik gehört auch zu meinem Dienstauftrag – egal zu welcher Berufsgruppe sie gehören: Sie arbeiten alle unter großen Belastungen, schon vor der Coronakrise. Und alle haben wir ja auch immer wieder unsere ganz privaten Sorgen und Probleme.

    Eine Besonderheit in der Klinikseelsorge ist, dass wir da ganz und gar ökumenisch arbeiten. Wer in Not ist, fragt selten nach der Konfession, sondern ist einfach dankbar, wenn ein Mensch Zeit hat und für die Frage nach dem Sinn und dem Trost ein offenes Gegenüber ist.

    Lange Zeit habe ich auch Unterricht in der Krankenpflegeschule gegeben und bei innerbetrieblichen Fortbildungen für Pflegende, Ärztinnen und Ärzte zu den Themen des Umgangs mit Leid und Tod und ethischen Fragen mitgemacht.

    Was waren besondere Momente für dich?

    Der Tod von jungen Menschen, wenn z.B. eine junge Familienmutter stirbt. Da ist man konfrontiert mit großer Verzweiflung und kann nur da sein und das aushalten. Das ist Schwerstarbeit.

    Alle, die sich da kümmern, bilden eine Gemeinschaft in der Ohnmacht. Und auch die Ärzte und Pflegende trauern ja bei solchen schweren Erlebnissen. Gut, dass wir da nicht alleine sind, sondern uns gegenseitig unterstützen.

    Aber es gibt dann doch immer wieder auch die Erfahrung, dass der Heilige Geist als Kraft wie spürbar anwesend ist in solchen Situationen am Lebensende. Das kann man nicht „machen“, das ist Geschenk. Und das ist eine wunderbare Erfahrung dann: Wenn der Raum erfüllt ist von einem großen Frieden, der höher ist als alle Vernunft. Und die Tränen der Traurigkeit sich mischen mit den Tränen einer tiefen Dankbarkeit. Solche „heiligen“ Augenblicke werde ich nie vergessen.

    Was hast Du Dir für Deinen Ruhestand vorgenommen?

    Ich sehne mich nach Zeit für Schönes: Natur, Musik, Kunst, Literatur. Und ich sehne mich nach Zeit für die Pflege von privaten Beziehungen! Das kam in meinen Dienstjahren doch immer wieder schmerzlich zu kurz.

    Vielen Dank für das Gespräch und Deine Arbeit! Wir wünschen Dir alles Gute und Gottes Segen!


    Glücklicherweise gibt es im Krankenhaus bereits eine Nachfolgerin für Ursula Schmitz-Böhmig –

    Jutta Seifert. Sie stellt sich im Folgenden kurz vor:

    "Ab Oktober werde ich die evangelische Klinikseelsorge in Sindelfingen von Ursula Schmitz-Böhmig übernehmen. Die zurückliegenden Wochen haben wir zur schrittweisen Übergabe genutzt.

    Ich bringe viel Erfahrung aus dem Gemeindepfarramt auf der Alb, in Hohenlohe und Stuttgart mit. Einige Jahre habe ich in der Notfallseelsorge mitgearbeitet und als Gehörlosenseelsorgerin. Außerdem hatte ich für fünf Jahre einen Unterrichtsauftrag für das Technische Gymnasium und die Gewerblichen Schulen in Öhringen. Die letzten drei Jahre war ich als Auslandspfarrerin für die EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) in Indonesien tätig mit Schwerpunkt in Jakarta, Bandung und Bali und dem Auftrag, eine deutschsprachige Gemeinde in Vietnam (Hanoi) aufzubauen.

    Ich freue mich über vier erwachsene Kinder und vier Enkelkinder.

    Jutta Seifert

    Wer sich gerne persönlich von Ursula Schmitz-Böhmig verabschieden und Jutta Seifert kennen lernen möchte, kann das im Gottesdienst am 20. September um 10 Uhr in der Martinskirche tun.